Eine Götterdämmerung | Ein stiller Übergang

Eine Götterdämmerung | Ein stiller Übergang

GANZ ZUERST... VIELEN DANK an ALLE Helfenden ob bei der Planung, beim Buddeln oder für Inspirationen, ohne EUCH sähe es auf der Fläche ganz anders aus !

Ein nackter Acker ist still. Er wirkt, als würde er nichts erzählen – nur Wind, Sand, ein weiter Horizont. Genau dort begann unser erstes Jahr im Garten der Trüffel | RAIN DROPS of JUNE: mit einer Fläche, die noch keine Schatten kannte, und mit der Frage, wie man aus Leere langsam wieder Leben macht.

Doch bevor der erste Spatenstich kam, war da bereits eine lange, unsichtbare Phase: Planung. Wir haben gelesen, verglichen, verworfen, neu sortiert. Sorten ausgewählt, die zu Boden und Klima passen – und zu dem, was wir hier aufbauen wollen. Wir haben den Mix der Bäume festgelegt, Positionen durchdacht, Abstände, Übergänge, Mikroklimata: wo Wind bricht, wo Sonne steht, wo Wasser bleiben darf. Ein Garten entsteht nicht erst beim Pflanzen, sondern schon in der Art, wie man ihn sich vorstellt.

Dann kam der erste Baum. Ein Moment, der größer war als das Loch im Boden. Mit dem ersten Baum setzte eine Götterdämmerung ein – ein stiller Übergang, in dem die alte Ordnung der Fläche verblasste und eine neue, wurzelnde Welt zu entstehen begann. Wurzeln knüpften Beziehungen: zum Bodenleben, zu Pilzgeflechten, zu Wasser, zu Geduld. Im Winter 24/25 folgten weitere Bäume und Sträucher – Obst und Beeren, erste Linien, die der Fläche Struktur gaben. Wir arbeiteten leise: Mulch, Mischkultur, Beobachten – weniger „machen“, mehr verstehen.

Und irgendwann im Sommer 2025 kam er – der Juni-Regen. Nicht dramatisch, aber genau richtig. Ein Regen, der nicht nur Blätter wäscht, sondern in die Tiefe geht. Danach war der Acker nicht mehr derselbe: die Oberfläche weicher, die Pflanzen präsenter, das Grün weniger fragil.

Die ersten Resultate waren noch klein, fast privat: wenige Früchte an einzelnen Bäumen – Nashi, Apfel, Williams-Christ-Birne, Sauerkirsche – dazu Stachelbeere, Blaubeere, Johannisbeeren, Kamtschatka-Beere und ein paar Tafeltrauben. Keine Ernte im klassischen Sinn, eher ein Zeichen: Ihr habt hier einen Anfang gefunden.

Jetzt ist wieder Winter. Die Fläche wirkt ruhiger, aber nicht leer. Über den jungen Pflanzen liegt ein anderes Schweigen – eines, das arbeitet. Unter der Mulchschicht, im Wurzelraum, im Boden, der langsam lernt zu speichern. Wir sehen weniger „Ergebnis“ als Versprechen: Dass das, was im ersten Jahr unsichtbar geworden ist, im nächsten Jahr stärker zurückkommt. Und dass manchmal ein Tropfen im Juni genügt, um ein ganzes Jahr in Bewegung zu halten.

Im nächsten Beitrag nehmen wir euch mit durch das Jahr – mit Bildern von den ersten Pflanzmomenten bis in diesen Winter hinein.

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